Ich denke gerne nach.
Über vieles – und immer auch mal wieder über mich selbst. Darüber, wie ich ticke oder weshalb ich Dinge tue.
Wie z.B. weshalb ich an Weihnachten nun zwei Tage lang in der Küche stand, um spezielle Weihnachtsmenüs zu zaubern.
Um was geht es mir dabei eigentlich? Geht es um grossartige Teller zum posten auf Instagram? Oder um etwas anderes?
Gastfreundschaft als Ausdruck
Der Wunsch, ja fast schon der Drang, Essen schön anzurichten, begleitet mich nicht nur an Weihnachten. Er ist auch im Alltag da. Das fängt schon beim Frühstück an. Das Frühstück soll stimmig aussehen, der Teller wird bewusst gestaltet.
Ich mag es, wenn Käse und Aufschnitt nicht einfach in der Verpackung auf dem Tisch stehen, sondern ihren Platz auf einem Teller finden. Nicht weil es nötig wäre, sondern weil es sich anders anfühlt.
Woher das kommt? Wirklich beantworten kann ich das nicht. Zumindest nicht eindeutig.
Was ich aber weiss: In der Schule war ich nie besonders beliebt.
Später im Leben änderte sich mein Umfeld. Ich lernte neue Menschen kennen und lud sie gerne zu mir ein. Ich freute mich daran, sie zu bekochen, Menüs zu planen und oft den ganzen Tag dafür in der Küche zu stehen.
Kochen war dabei meine Art zu zeigen, wie wichtig mir diese Menschen sind.
Zeit und Aufmerksamkeit flossen in das, was auf den Tisch kam. Nicht als Pflicht, sondern als Ausdruck von Wertschätzung.
Vielleicht entstand daraus auch der Wunsch, es immer noch ein bisschen besonderer zu machen - es jeweils auf ein nächstes Level zu heben.
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Mit der Zeit wurde mir jedoch klar, dass mein wachsender Anspruch schwer zu erfüllen war.
Ein Menu in der gehobenen Küche entsteht selten von einer einzelnen Person.. Sie ist das Ergebnis ganzer Teams und perfekten Abläufen. Das als Einzelperson zuhause auf einen Teller bringen zu
wollen, ist fast unmöglich. Auch in den Kochklubs, in welchen ich zu dieser Zeit war, kochten jeweils 2-3 Personen einen einzelnen Gang zusammen und beim Anrichten halfen teilweise alle mit.
Durch diese Erkenntnis wurde der Perfektionismus leiser.
Bühne, Kreativität und das, was bleibt
Noch heute möchte ich meinen Gästen etwas Schönes, Spezielles auftischen. Nicht um bewundert zu werden, sondern um einen Moment zu gestalten und Freude zu verbreiten.
Essen schön anzurichten ist für mich auch eine Form von Wertschätzung mir selbst gegenüber. Essen nicht einfach, um satt zu werden. Sondern um innezuhalten, wahrzunehmen und dem Moment etwas Gewicht zu geben.
Ein Teller, der stimmig angerichtet ist, verändert nichts am Nährwert. Aber er verändert, wie ich esse. Wie präsent ich bin. Wie ernst ich mir diesen Moment nehme.
Instagram spielt dabei keine zentrale Rolle. Es ist eine Bühne. Ein Ort, an dem Ästhetik sichtbar wird. Aber es ist nicht das Ziel.
Ich koche nicht für Likes, aber zeige gerne, was ich gezaubert habe – weil ich stolz darauf bin.
Kochen ist für mich ein Teil meiner Kreativität. Neben dem Marzipanmodellieren, neben anderen gestalterischen Ausdrucksformen.
Schön angerichtet heisst für mich nicht „besser als andere“. Es heisst: stimmig für mich.
* Fotos von unterwegs, diversen Aperos sowie von den 2 Kochclubs
















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