Ich mache schon seit vielen Jahren Sport. Mal mehr, mal weniger. Letzte Woche war es sogar ziemlich viel: Zweimal ging ich joggen, einmal war ich schwimmen und an einem Morgen noch im Fitnessstudio.
Und trotzdem hatte ich plötzlich diesen Gedanken:
Ich fühle mich gar nicht sportlich.
Moment mal – wie kann das sein?
Wenn Bewegung da ist – aber das Gefühl fehlt
Von aussen betrachtet bewege ich mich viel. Und trotzdem hätte ich mich bis zu diesem Blog nicht als „sportlich“ bezeichnet. Dieses Gefühl hat mich irritiert. Also habe ich angefangen, genauer hinzuschauen.
Ich habe Menschen in meinem Umfeld gefragt, ob sie sich sportlich fühlen. Und etwas Überraschendes festgestellt: Es geht vielen ähnlich. Menschen, die regelmässig verschiedenen Sportarten nachgehen wie Joggen, Yoga etc., sagen trotzdem von sich: „Ich bin nicht sportlich.“
Warum ist das so?
Ab wann ist Bewegung eigentlich Sport?
Vielleicht beginnt die Einschätzung schon bei der Frage, was überhaupt als Sport gilt.
Nicht jede Bewegung ist automatisch Sport. Vieles davon ist sogenannte Alltagsbewegung: Spazierengehen, Hausarbeit, Treppensteigen oder Wege, die wir nebenbei zurücklegen. Sie ist wichtig, keine Frage – aber sie passiert meist ohne bewusstes Trainingsziel.
Sport beginnt dort, wo Bewegung absichtlich wird. Wenn ich mich bewege, um mich körperlich zu fordern. Wenn mein Puls steigt, meine Atmung schneller wird und ich die Bewegung über eine gewisse Zeit aufrechterhalte. Nicht bis zur Erschöpfung, aber spürbar.
Ein Spaziergang kann Alltagsbewegung sein – oder Sport.
- Locker schlendernd mit Pausen eher nicht.
- Zügig, über längere Zeit, vielleicht sogar leicht ausser Atem – dann schon.
Der Unterschied liegt also weniger in der Aktivität selbst als im Wie: Intensität, Dauer und Regelmässigkeit.
Leistung als Massstab
Wie oben angesprochen, definieren viele Sportlichkeit über Leistung. Sich körperlich zu fordern, schneller werden, weiter kommen, mehr Gewicht stemmen. Besser sein als früher – oder besser als andere.
Beim reflektieren merkte ich, dass ich mich genau deswegen unsportlich fühle: weil ich mich selten bis ans Limit pushe. Hochintensive Trainingsformen wie Freeletics sind mir ein Graus. Intervalltraining ebenso. Ich laufe nicht mit Uhr oder einem Plan mit dem Ziel, schneller zu werden. Sondern ich Laufe nach Gefühl, nach Tagesform, nach dem, was gerade möglich ist.
Auch zu Hause zeigt sich das: Ich schaffe es kaum, mich selbst zu motivieren, ein paar Liegestütze oder Kraftübungen zu machen. Aus diesem Grund gehe ich ins Fitnessstudio. Weil ich zuhause dafür zu faul bin und mir der Ort Struktur gibt.
Der Denkfehler: Sportlich = athletischer Körper
Ein weiterer Punkt welcher mir klar wurde: Viele setzen Sportlichkeit mit einem athletischen Körper gleich. Schlank, muskulös, leistungsfähig, sichtbar trainiert. Ich ebenfalls. Jedenfalls was mich und meinen Körper anbelangt. Bei anderen kann ich problemlos trennen, wie sie aussehen und wie sportlich sie sind.
Prägungen aus der Kindheit
Vielleicht spielen auch frühe Erfahrungen eine Rolle. Bei mir persönlich war es so: In der Schulzeit war ich definitiv nicht sportlich. Und später als ich geritten bin, hörte ich öfters den Satz: „Reiten ist ja kein Sport.“
Solche Aussagen brennen sich ein. Vielleicht ist dies noch ein weiterer Grund für meinen Irrglauben über meine eigene Sportlichkeit.
Was mir klar wurde
Ich habe lange gedacht, ich sei nicht sportlich, weil ich Sport mit Leistung, Grenzerfahrung oder einem athletischen Körper verband.
Aber jetzt habe ich verstanden, dass Sportlichkeit bedeutet, den eigenen Körper regelmässig zu bewegen, ihn zu fordern, ihm etwas zuzutrauen und dranzubleiben. Und nun fühle ich mich sportlich.
Heute weiss ich: Sportlich ist kein Look. Sportlich ist ein Verhalten.
Ich hoffe, dass ich mit diesem Blog-Beitrag vielleicht dem einen oder anderen helfen kann, dass er sich zukünftig ebenfalls nicht mehr klein macht, wenn es um die Frage geht ob er/sie sportlich ist.
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