Thermomix & Brotbacken - was ich gerne früher gewusst hätte

 

Ich habe jahrelang gesagt, dass ich nicht backen kann. Und ehrlich gesagt die Resultate gaben mir recht. Zu oft endeten meine Backversuche in harten Broten, trockenen Zöpfen oder Teigen, die einfach nicht das machten, was sie sollten. Entsprechend gering war meine Motivation, mich tiefer mit dem Thema Backen auseinanderzusetzen.

Der erste Wendepunkt: Thermomix vs. Küchenmaschine

Als ich die Gelegenheit hatte, den Thermomix eines Freundes auszuprobieren, wollte ich den direkten Vergleich. Nicht aus Backleidenschaft sondern aus Neugier. Ich machte zeitgleich zwei Zöpfe: einen mit meiner klassischen Küchenmaschine (die ich kaum nutzte) und einen mit dem Thermomix.

Schon damals zeigte sich: Der Thermomix verzeiht mehr Fehler. Und genau das war für mich entscheidend.

Neues Setting – und plötzlich Motivation

Seit wir diesen Winter unsere Küche umgebaut haben und einen neuen Backofen besitzen, entdecke ich eine ganz neue Welt für mich. Plötzlich stimmt das Zusammenspiel aus Ausstattung, Arbeitsfläche und Lust am Ausprobieren.
Meine ersten Gehversuche mit Teigen und Broten gelingen und machen entsprechend spass. 

Das motiviert mich, mich weiter mit dem Thema zu beschäftigen. Ich schaue mir Videos an, lerne die Grundlagen von Teigen und beginne, Dinge zu hinterfragen, die ich früher einfach hingenommen habe. Passend dazu habe ich auch hier schon darüber geschrieben, wie sehr die richtige Ausstattung den Erfolg beeinflusst:

Das grosse Aha: Warum meine Brote früher scheiterten

Ein Video hat mir kürzlich besonders die Augen geöffnet. Darin wurde sehr anschaulich erklärt, auf was es alles ankommt beim Backen.

  • Die gleiche Menge Mehl und Wasser kann völlig unterschiedliche Teige ergeben abhängig von der Mehlqualität

  • Ein Teig braucht im Winter oder Sommer unterschiedlich lange, um aufzugehen

  • Zusätzlich verhält sich jeder Backofen anders – Backdauer und Temperatur sind nie exakt gleich

Kurz gesagt:
Backen ist kein starres Abarbeiten eines Rezepts, sondern ein sensibles Zusammenspiel vieler Komponenten.

Kneten ist nicht gleich Kneten

Besonders spannend fand ich die Erklärung zur Knetdauer und Knetintensität. Im Video wurde gezeigt, wie stark sich das Ergebnis verändert, je nachdem wie lange und wie intensiv ein Teig geknetet wird.

Ein zu kurz gekneteter Teig ist instabil, reisst schnell und geht schlecht auf.
Ein zu lange gekneteter Teig verliert dagegen wieder seine Struktur, weil das Glutengerüst zerstört wird.

Und genau deshalb steht in vielen Rezepten keine exakte Knetzeit.
Sie hängt ab von:

  • Mehl

  • Feuchtigkeit

  • Raumtemperatur

  • Maschine

  • Geschwindigkeit

Alles Sachen, von denen ich nichts wusste. Kein Wunder also, dass ich früher so oft gescheitert bin, da ich dies einfach nicht verstand.

Der Knetmodus im Thermomix – praktisch, aber begrenzt

Der grosse Vorteil des Thermomix, respektive seiner Rezepte, liegt darin, dass in den Rezepten genau festgelegt ist, wie lange der Teig geknetet wird, und dafür gibt es sogar ein eigenes Programm: Teig kneten.

Im Knetmodus arbeitet der Thermomix nicht mit einer konstanten Bewegung. Die Messer drehen abwechselnd nach rechts und links, mit kurzen Pausen dazwischen. Dieses Intervall ahmt das manuelle Kneten nach – also ziehen, falten und drehen. Die Drehzahl ist dabei sehr niedrig. 

Die Zeit (meist ein bis drei Minuten) wird automatisch gesteuert. Für die meisten Brote funktioniert das sehr gut und liefert reproduzierbare Ergebnisse.

 

Was jedoch fehlt, ist die Möglichkeit der individuellen Anpassung der Intensität. Man kann zwar in den normalen Mixmodus wechseln, doch dieser arbeitet technisch völlig anders.

 

Gerade jetzt, wo ich beginne zu erkennen, wann ein Teig gut entwickelt ist – und wann nicht, merke ich: Wer sehr viel Brot backt und gezielt auf Teigentwicklung achtet, möchte mehr Einfluss nehmen können. Und das ist beim Thermomix weniger gut möglich, als bei einer klassischen Rührmaschine. 

Die Limite der Menge

Ein Punkt, der mir beim Brotbacken mit dem Thermomix ebenfalls bewusst geworden ist, ist die begrenzte Teigmenge, die sich verarbeiten lässt. Für den Alltag, ein einzelnes Brot oder ein paar Brötchen ist es für einen 2-Personenhaushalt ausreichend. Wer jedoch grössere Brote backen möchte – da die Familie grösser ist oder etwa um einen Teil einzufrieren – stösst relativ schnell an eine Grenze.

 

Der Mixtopf und das Messer ist schlicht nicht dafür ausgelegt, sehr grosse oder schwere Teigmengen gleichmässig zu kneten. Ab einer gewissen Menge wird der Teig nicht mehr sauber erfasst, steigt im Topf hoch oder wird ungleichmässig bearbeitet. 

 

In der Praxis bedeutet das:
Grössere Teigmengen müssen im Thermomix in zwei Durchgängen hergestellt werden. Das ist machbar, aber weniger effizient – und nimmt dem spontanen „Ich backe schnell ein grosses Brot“-Gedanken etwas den Wind aus den Segeln.

 

Genau hier zeigt sich erneut der Unterschied zur klassischen Rührmaschine, die für solche Mengen konzipiert ist und auch schwere Teige über längere Zeit problemlos bewältigt. 

Mein Fazit

Dank Thermomix und neuem Backofen entdecke ich gerade eine ganz neue Welt für mich. Ich verstehe heute besser, warum meine früheren Backversuche oft gescheitert sind – und wie viele Faktoren tatsächlich zusammenspielen, bis ein Brot gelingt.

 

Der Thermomix ist ein echtes Multifunktionsgerät, das mich im Alltag enorm unterstützt. Gerade auf meinem aktuellen Backlevel führt er mich sicher durch Rezepte und lässt Brote gelingen. Das ist unglaublich wertvoll und motivierend.

 

Gleichzeitig sehe ich inzwischen auch klarer, wo seine Limiten liegen. Eine klassische Rührmaschine ist beim Brotbacken – insbesondere bei grossen Teigmengen oder wenn man sehr gezielt an der Teigentwicklung arbeiten möchte – schlicht die professionellere Lösung. Hier kann der Thermomix nicht mithalten. 

 

Der Thermomix ist für mich aktuell immer noch die richtige Wahl: ein vielseitiger Allrounder, der mir den Einstieg ins Brotbacken ermöglicht, mich begleitet und dafür sorgt, dass ich überhaupt dranbleibe. Aber ja – vielleicht hätte ich mein Rührgerät vorerst noch ein bis zwei Jahre im Keller stehen lassen sollen, um abzuwarten, wie sich meine neue Leidenschaft für Brote entwickelt.

 

Ich hoffe, dieser Blog-Beitrag bringt dich bei der Entscheidung, ob sich ein Thermomix für dich lohnt, weiter. Bei Fragen nimm gerne Kontakt mit mir auf. 

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