In den letzten Jahren sieht man sie überall: Campervans, Wohnmobile, Selbstausbauten. Ob am See oder in den Bergen – der Camper-Boom ist real. Viele träumen vom eigenen rollenden Zuhause. Aber lohnt es sich wirklich, einen Camper zu besitzen? Oder ist das alles nur ein romantischer Hype mit versteckten Kosten und Aufwand?
Meine letzte Flugreise liegt schon länger zurück und lange glaubte ich, dass ich überhaupt nicht mehr gross fliegen werde. Doch dieses Jahr steht bei uns kein grosser Camping-Urlaub an sondern eine Reise nach Argentinien. Und vielleicht ist das nicht unsere einzige Flugreise in den nächsten Jahren. War somit die Anschaffung vom Camper ein Fehlentscheid? In diesem Blog möchte ich eine Aspekte nennen, die es vor der Anschaffung eines Campers zu bedenken gibt.
Die Vorstellung: Freiheit auf vier Rädern
Ein eigener Camper steht für Flexibilität, Unabhängigkeit und Abenteuer. Man kann spontan losfahren, übernachten wo es einem gefällt und hat sein kleines Zuhause immer dabei.
Die Realität: Hohe Kosten – und mehr Aufwand als gedacht
Der Traum vom eigenen Camper hat jedoch seinen Preis. Selbst ein gebrauchter Van oder ein einfaches Wohnmobil kostet schnell mehrere 10'000 Franken. Dazu kommen laufende Kosten:
-
Versicherung, Steuern, Wartung
-
Reparaturen
-
Parkplatzkosten
-
Treibstoffverbrauch – besonders wenn der Camper auch das Alltagsauto ersetzt
Des Weiteren ist Campingurlaub ist nicht immer die entspannteste Reisevariante. Im Vergleich zu einem Hotelaufenthalt bringt Campen deutlich mehr Aufwand mit sich – vor, während und nach dem Trip:
-
Vorher: Kühlschrank füllen, Wasser auffüllen...
-
Währenddessen: kochen, abwaschen... - alles dauert länger als zuhause
-
Nach dem Wochenende: Wasser entleeren, Toilette reinigen, Camper aufräumen und putzen
Beim Hotelurlaub dagegen gilt: Koffer packen und los. Kein Räumen, kein Entsorgen, kein Auffüllen – und das Frühstück steht morgens bereit.
Spontan und flexibel? Nur auf den ersten Blick
Viele verbinden den Camperbesitz mit maximaler Freiheit – einfach einsteigen und losfahren. Doch in der Realität ist das gerade in der Hochsaison oft nicht möglich: Viele Campingplätze sind weit im Voraus ausgebucht. Wer ohne Reservierung losfährt, läuft Gefahr, keinen Stellplatz zu finden. Und auch das spontane „Ich bleib einfach da, wo’s mir gefällt“ funktioniert heute nur noch sehr eingeschränkt.
Hinzu kommt: Die Fixkosten des Campers laufen weiter, selbst wenn man ihn nicht nutzt. Versicherung, Steuern, Stellplatz, Wartung – sie fallen auch dann an, wenn man doch mal wieder anders Ferien macht oder einfach mal zu Hause bleibt. Die erhoffte Flexibilität kann sich so zur Verpflichtung wandeln, den Camper auch „nutzen zu müssen“, damit sich die Anschaffung lohnt. Gerade wenn man wie die meisten Menschen nur etwa 4–5 Wochen Ferien pro Jahr hat. Wenn man zwischendurch zusätzlich noch Flugreisen, Städte- oder Wellnessferien einplant, bleibt oft nur wenig für "Vanlife" übrig. Dann lohnt sich die Anschaffung kaum – zumindest nicht finanziell. Somit ist man diesbezüglich deutlich weniger flexibel – jedenfalls wenn man diese finanziellen Aspekte mit einbezieht. Verglichen mit klassischen Reisen – z. B. einem Hotelaufenthalt – ist man also nicht unbedingt freier, sondern so gesehen gebunden. Man zahlt für die Option zur Spontaneität, die sich aber nur eingeschränkt realisieren lässt.
Für wen lohnt sich ein eigener Camper?
Ein eigener Camper macht nach meiner Meinung dann Sinn, wenn:
-
Man ihn regelmässig nutzt – idealerweise mehrmals im Jahr, auch für Kurztrips
-
Man ihn auch als Hauptauto verwendet
-
Man Wert auf Spontaneität legt
Mieten statt besitzen – flexibel und bedarfsgerecht
Ein gemieteter Camper kostet je nach Modell und Saison zwischen 900 und 1'600 Franken für eine Woche, für mehrere Wochen steigen die Preise nicht immer linear – exklusive Treibstoff, Campingplatzgebühren und Verpflegung. Klingt nach viel, ist aber auf ein Jahr gesehen oft günstiger als der Besitz, besonders wenn man nur ein bis zweimal im Jahr damit unterwegs ist.
Und es gibt viele Vorteile beim Mieten:
-
Keine Anschaffungskosten
-
Kein Unterhalt, keine Reparaturen, kein Wertverlust
-
Man kann je nach Trip den passenden Camper wählen: kompakt für zwei, geräumig für die Familie, 4x4 für Offroad-Abenteuer
Dachzelt & Co. – clevere Alternativen zum klassischen Camper
Wer gerne flexibel unterwegs ist, aber keinen Camper anschaffen möchte – um weiterhin maximal Flexibel zu sein – findet in einem Dachzelt eine spannende Alternative. Es ist günstiger, platzsparend und lässt sich auf vielen Fahrzeugen montieren. Der Markt für Dachzelte hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt. So kann man trotzdem naturnah und spontan unterwegs sein – mit deutlich weniger Investition. Um zu kochen, gibt es mittlerweile Küchen- und Kühlboxen, die sich in jedem Auto gut transportieren lassen und sollte das Wetter auf einer Reise mehrere Tage richtig schlecht sein, hat man so noch immer die Optionen, in ein Airbnb oder Hotel auszuweichen, um mehr Komfort zu haben. Denn realistisch betrachtet, unternimmt man die spontanen Wochenendausflüge sowieso nur bei gutem Wetter.
Warum boomt der Camperbesitz trotzdem?
Trotz all diesen Überlegungen wächst bei vielen das Interesse am eigenen Camper weiter. Warum?
-
Social Media zeigt die schönste Seite des Camperlebens – und nicht selten entsteht der Wunsch nach einem eigenen Camper weniger aus den eigenen Bedürfnissen, sondern weil so viele andere sich diesen Traum bereits erfüllt haben. Der Gedanke „Wenn es für andere so toll ist, dann will ich das auch“ wirkt oft stärker, als man selbst merkt.
-
Das Gefühl von Freiheit und Minimalismus wirkt emotional sehr stark
-
Viele sehnen sich nach Natur, Entschleunigung und Selbstbestimmung
-
Flugreisen und Pauschalurlaube verlieren an Attraktivität
-
Ein Camper ist ein Symbol für einen alternativen, bewussteren Lebensstil
Ein Camper ist also nicht nur ein Fortbewegungsmittel – er ist eine Lebenseinstellung. Und für manche ist allein dieses Gefühl den Preis wert.
Fazit
Einen Camper zu besitzen ist im Trend – aber nicht für jeden automatisch sinnvoll. Es ist eine Entscheidung, die weniger vom Verstand als vom Lebensstil abhängt.
Wer gerne viel unterwegs ist, Campingleben liebt und den Aufwand nicht scheut – für den kann sich ein eigenes Fahrzeug lohnen. Wer aber nur ab und zu Ferien im Camper verbringen will fährt flexibler und oft sogar günstiger durch mieten.
Am Ende gilt: Nicht jeder, der gerne campen geht, muss gleich einen Camper besitzen.
Kommentar schreiben
Adi (Donnerstag, 16 Oktober 2025 10:43)
Danke für den informativen Artikel! Ich finde es super, dass du nicht nur die romantische Vorstellung vom Camperleben zeigst, sondern auch ehrlich die Kosten, den Aufwand und die Realität dahinter beleuchtest.
Gerade der Punkt mit der eingeschränkten Spontaneität in der Hochsaison und den laufenden Kosten wird oft unterschätzt. Ich habe selbst mit dem Gedanken gespielt, einen Camper zu kaufen – nach deinem Artikel überlege ich mir jetzt doch eher, erstmal zu mieten oder mit einer einfacheren Lösung wie Dachzelt zu starten.
Danke für die Denkanstöße – sehr hilfreich!
Hannah (Mittwoch, 21 Januar 2026 13:18)
Warum eigentlich keine Beiträge von deinem Trip nach Argentinien. Der war doch so krass present
Izzyswelt (Mittwoch, 21 Januar 2026 20:57)
Hey Hannah,
Auf meinem Instagram habe ich fast täglich Beitrage von unserer Argentinien Reise gepostet. Vermutlich habe ich deshalb mir die Zeit noch nicht genommen, die Reise hier auf meiner Homepage zusammenzufassen. Irgendwann werde ich das aber sicher noch nachholen. :-) Solltest du konkrete Fragen haben zur Reise, kontaktiere mich gerne direkt.
Liebe Grüsse